Portrait von Helena Kuchar

Jelka - Helena Kuchar

Helena Kuchar wurde 1906 als Kärntner Slowenin geboren. Sie  war eine einfache Magd in Eisenkappel. Mit 23 Jahren heiratet sie gegen den Willen seiner Familie den Bauernsohn Peter Kuchar und bekam schon bald darauf den ersten Sohn. Ihr Mann war Zimmermann, ein bewusster Arbeiter und Sozialist.

Die Familie litt in den Jahren der Wirtschaftskrise in den 30er Jahren große finanzielle Not. Sie hielten sich und ihre Kinder – mittlerweile drei – mit Gelegenheitsarbeiten und einer Bienenzucht über dem Wasser. 1940 wurde Leni Kuchars Mann eingezogen und sie musste in Zukunft alleine für den Hof und die Kinder sorgen. Im Jahr 1942 begannen die Nazis die slowenischen Familien aus Kärnten zu deportieren und alles Slowenische zu verfolgen. Immer mehr slowenische KärntnerInnen schlossen sich daraufhin den Partisanen an, die ab 1942 in den Kärntner Wälder und Bergen den Kampf gegen die Faschisten aufgenommen haben.

Im Oktober 1943 gebar Helena Kuchar ihr viertes Kind – ein Mädchen namens Bredica. Im selben Monat wurde ihre Schwägerin von den Nazis ins KZ Ravensbrück gebracht, ihr Bruder war bereits bei den Partisanen in den Bergen, um dem Einberufungsbefehl zur Wehrmacht zu entgehen. So zog Helena auf den verlassenen Hof ihres Bruders, den Vinkelhof, um sich um dessen Kinder und den Hof zu kümmern.

Von diesem Zeitpunkt an arbeitete Helena Kuchar für die Partisanen. Sie bekam den Partisanennamen Jelka, den sie fortan trug. Jelka versorgte die Partisanen mit Lebensmitteln, Kleidung und Informationen und war im illegalen Ortsausschuss der Befreiungsfront OF in Lepena tätig. In dieser Zeit war außerdem eine ihrer wichtigsten Aufgaben, Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung zu machen und Kontakt auch zu deutschsprachigen Antifaschisten zu halten. Sie verteilte Flugzettel und nahm an Sitzungen und illegalen Konferenzen teil. In der Nacht besuchten die Partisanen ihren Hof.

Im Sommer 1944 meldeten sich ihr 15-jähriger Sohn und ihre beiden Neffen -  12 und 14 Jahre alt - zu den Partisanen und gingen „in den Wald“. Im Oktober 1944 erhielt sie den Auftrag ein Treffen aller Hitler-GegnerInnen aus Eisenkappel und Lepena zu organisieren. Jelka nwar sehr erfolgreich: Es kamen 4o AntifaschistInnen zusammen.

Das Treffen und alle, die daran teilgenommen haben, wurden verraten. Jelka gelang es noch Alarm zu schlagen und konnte in die Berge zu den Partisanen zu flüchten. Ihre drei Kinder blieben alleine zurück. Sie ging in das Savinja- Tal, das auf jugoslawischer Seite der Karawanken liegt, und befreites Gebiet war. Dort wurde sie für die Parteischule ausgesucht. So ging sie mit 38 Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben in eine Schule. Sie lernten über das richtige Verhalten in der Illegalität, wie die Bevölkerung für den antifaschistischen Kampf gewonnen werden kann und lasen marxistische Literatur. Sie wurde Mitglied der kommunistischen Partei.

Im Dezember 1944 starteten die Nazis eine Großoffensive auf das befreite Gebiet und drangen von allen Seiten gleichzeitig in das Savinja-Tal ein. Die Partisanen flüchteten aus dem Tal auf die Velika Planina (Große Alm). Es war bitterkalt, tiefster Winter, sie waren schlecht ausgerüstet und hatten kaum etwas zu essen. Jelkas Schuhe waren kaputt und sie musste einen Sack darum wickeln.

Auf die Velika Planina haben sich zahllose Partisanen und auch Zivilisten aus dem befreiten Gebiet gerettet. Jelka trifft ihren Sohn Peter und die beiden Neffen wieder. Nach furchtbaren Tagen der Kälte und des Hungers können sich Peter und Jelka zu Weihnachten nach Lepena durchschlagen, um mit ihren Kindern im Kreis der Familie zu feiern.

Nach Weihnachten wurde Jelka in die Bezirksleitung der OF Völkermarkt berufen. Jelka bekam den Auftrag wieder „auf Terrain“ zu gehen, also die Arbeit unter der Zivilbevölkerung wieder aufzunehmen, um antifaschistische Agitation zu betreiben und Lebensmittel für die Partisanen zu sammeln. Man kann sich vorstellen, dass diese Arbeit sehr gefährlich war – Jelka war der ständigen Gefahr ausgesetzt erwischt oder verraten zu werden.

Als der Partisanenbunker am Obir gefallen war, machte sich Jelka mit ihren GenossInnen an die Arbeit einen neuen Bunker einzurichten. Sie sammelten sich in Jelkas Haus, um am nächsten Tag loszulegen. Doch sie wurden von einem Spitzel verraten und die Polizei überfiel sie in der Nacht auf ihrem Hof. Bei dem Überfall wurde ein Partisan erschossen,  Jelka und die anderen Partisanen wurden verhaftet. Jelka kam zuerst nach Ferlach ins Polizeigefängnis, dann nach Klagenfurt ins Gestapo-Hauptquartier.  Jelka wurde von der Gestapo brutal geschlagen und gefoltert.

Zu Kriegsende kam Jelka frei durch das mutige Einschreiten ihrer ältesten Tochter Zofi frei. Auch ihr Sohn Peter und ihr Bruder, beide Partisanen, überlebten den Krieg und ihr Mann kehrte ebenfalls aus dem Krieg zurück. Die Kärntner Slowenen waren nach dem Krieg sehr enttäuscht, da die Engländer die Macht übernommen hatten und sie, die slowenischen Kärntner, wiederum diskriminiert wurden. Für viele hatte es den Anschein, dass sich nicht geändert habe. Dieselben deutschen Kärntner wurden wieder in die Funktionen gehoben.

Jelka gab auch nach dem Krieg nicht auf, sondern kämpfte energisch und mutig weiter für Gerechtigkeit und gegen Faschismus.1985 starb Jelka.

Die Schmetterlinge widmete Jelka den Song »Drei rote Pfiffe«.

Im Kreis ihrer Enkel die alte Frau, zeigt mit erhobener Hand

auf die Wälder, die dunklen über der Drau:

Jetzt zeige ich euch euer Land, jetzt zeige ich euch euer Land.

Dort drüben hab´ ich geschuftet am Hang, als ich ein Kind noch war.

Bei der Christmette mit Glockenklang

hing Eis von Rock und Haar, hing Eis von Rock und Haar.

Die Bergkappen kamen vom Lindenwirt und flüsterten heimlich mit List,

dass sich in der Welt was ändern wird,

nichts bleiben muss, wie es ist; nichts bleiben muss, wie es ist.

Chorus:

Verschwiegene Bäume, verschworener Wald.

Und drei rote Pfiffe, drei rote Pfiffe, drei rote Pfiffe im Wald.

Sie haben mich Jelka genannt. Sie haben mich Jelka genannt.

Der Winter war nass und uns wärmte der Hass, viele sind's die die Erde heut birgt.

Wir haben gefochten, dort oben am Pass,

an unsrer Befreiung gewirkt. An unsrer Befreiung gewirkt.

Der Krieg war vorbei, da war Stille im Land, da waren die Lautesten leis.

Sie nahmen das Hitlerbild von der Wand.

Ihre Westen, die wuschen sie weiß. Ihre Westen, die wuschen sie weiß.

Ihr, meine Enkel, was hört ihr so stumm die alten, die kalten Berichte?

Jetzt trampeln sie wieder auf euren Rechten herum,

erinnert euch meiner Geschichte. Erinnert euch meiner Geschichte.

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