otto felix kanitz inmitten seiner vertrauenslaute bei der kinderrepublik

Otto Felix Kanitz

Otto Felix Kanitz ist ein sehr wichtiger Vordenker für uns Rote Falken. Er beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit Reformpädagogik und sozialistischer Erziehung. Er tat das aber nicht nur in seiner Schreibstube, sondern lebte unsere Ideale auf Zeltlager und in Kindergruppen. Er war es auch, der in Gmünd die erste Kinderrepublik ausrief. 

Otto Felix Kanitz mit den Vertrauensleuten der Gmünder Kinderrepublik.

Otto Felix Kanitz wurde im Jahr 1894 in Wien in ein jüdisch-bildungsbürgerliches Elternhaus geboren. Sein Weg hin zum Sozialisten war ihm also keineswegs vorgezeichnet. Umso mehr, als dass er nach der Scheidung seiner Eltern seine Kindheit in einem streng katholischen Waisenhaus erzogen wurde.

Dennoch kam er schon früh mit der sozialistischen Bewegung in Berührung: Während seiner Lehre trat er dem Zentralverein der kaufmännischen Angestellten und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei. 1914 lernte er Hermine Weinreb kennen, die ihn zu den Kinderfreunden brachte und ihm Zeit seines Lebens Freundin und Fördererin war.

Er arbeitete bereits während des Ersten Weltkrieges bei den Kinderfreunden und studierte nebenher Philosophie, Pädagogik und Psychologie an der Uni Wien, wo er sich in wissenschaftlicher Form mit Reformpädagogik und sozialistische Erziehung auseinander setzte. Sein Studium und seine praktische Tätigkeit bei den Kinderfreunden ergänzten sich somit ideal.

Als er im Jahr 1919 mit der Leitung  einer großen Ferienkolonie in Gmünd beauftragt wurde, setzte er dort das von ihm und Hermine Weinreb entwickelte Konzept der Selbstverwaltung der Kindergemeinschaft erfolgreich um. Er rief in Gmünd die erste Kinderrepublik aus und ging damit weit über den reinen Fürsorge-Charakter der bisher gekannten Ferienaktionen hinaus. Durch ein umfassendes Modell der Kindermitbestimmung gelang es „den Geist der Selbstregierung und Selbstverwaltung in den Kindern zu verankern, es gelang in den Kindern das Gefühl der Freiheit und Menschenwürde zu entwickeln“ (Kanitz 1929).

Kanitz hatte das Ziel, die Kinderfreunde zu einer sozialistischen Erziehungsorganisation, zu der Erziehungsorganisation der Arbeiterklasse zu entwickeln. Ein bedeutender Schritt dahin war die Errichtung der Schönnbrunner Schule - eines Vollzeit- Kinderheimes, das Anton Tesarek leitete und einer Erzieherschule, die Otto Felix Kanitz führte. Es ging in beiden Einrichtungen um neue Formen kollektiven, nichtautoritären Lernens und Arbeitens – auf praktischer wie theoretischer Ebene.

In den 20- und 30er Jahren war Kanitz in unterschiedlichsten Funktionen politisch und pädagogisch bei den Kinderfreunden und anderen sozialistischen Organisationen tätig. Nach den Februarkämpfen und dem Verbot der Sozialdemokratie durch die Austrofaschisten, musste er nach Brünn flüchten. Er kam jedoch nach Österreich zurück und wurde 1938, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, von der GESTAPAO verhaftet. Aufgrund  seiner jüdischen Abstammung und seiner sozialistischen Überzeugung wurde er von den Nazis ins KZ Buchenwald gebracht, wo er im Jahr 1940 an einer Blutvergiftung starb.

Sozialismus lässt sich weder erwandern noch ersingen, sondern nur erkämpfen. Die Arbeiterjugend-Organisationen werden ihre Aufgaben nur erfüllen können auf der Grundlage des politisch-wirtschaftlichen Kampfes und der marxistischen Schulung ihrer Mitglieder­schaft!“ (Otto Felix Kanitz)

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