Geschichte_zwei

Von der Gründung zum Verbot

Die Geschichte der Roten Falken ist untrennbar mit jener der Kinderfreundebewegung verknüpft, aus der sie im Jahr 1924 hervorgingen. Die Österreichischen Kinderfreunde wurden 1908 von Anton Afritsch, dem Redakteur des Grazer ,,Arbeiterwillen" gegründet. 

Vorerst als Eltern- und Selbsthilfeverein ging es vor allem darum, durch Lese- und Bastelstunden, Singen, Turnen sowie gemeinsame Ausflüge Freude in den Alltag der Proletarierkinder zu bringen.  Die Tätigkeit der Kinderfreunde nahm rasch zu, bald wurden in Wien und Niederösterreich weitere Landesvereine gegründet. Während des Ersten Weltkriegs wurden Ausspeisungen und Ferienaufenthalte zu Schwerpunkten der Kinderfreunde.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde die "Schönbrunner Erzieherschule" gegründet, deren Ziel es war, pädagogisch gut ausgebildete und im sozialistischen Sinn arbeitende Erzieher*Innen hervorzubringen. Die Leitung der im Schloss Schönbrunn untergebrachten Schule, in der es auch Kinderbetreuung gab, übernahm Otto Felix Kanitz. Bald jedoch wurde von einigen ErzieherInnen erkannt, dass die älteren Kinder nur schwer in die Gruppen der Kinderfreunde einzubinden waren und deshalb für diese eine eigene Organisation notwendig war. Anton Tesarek, Leiter des Musterkinderheims im Schloss Schönbrunn und Redakteur der Kinderzeitschrift "Kinderland" gründete 1925, formal angelehnt an die traditionelle damalige Jugendbewegung eine Gruppe, zunächst für die älteren Buben.

Abgeleitet von Maxim Gorkis Erzählung "Das Lied vom Falken", gab er ihnen den Namen Rote Falken. "Der Name kann den Kindern ein Programm geben. „Falken“ wollen unsere Buben sein: Wild, kühn, edel. .. aber unsere Buben wollen nicht nur „Falken“, sie wollen auch rot sein." (Tesarek)

Zunächst wurde die Falkenbewegung von einigen Kinderfreunde - Funktionär*Innen kritisch betrachtet, doch gab es schließlich auf der Reichskonferenz der Kinderfreunde im März 1927 ein endgültiges Ja zu den Roten Falken. Strukturiert waren die Roten Falken in mehrere Organisationseinheiten. Die kleinste war die Horde mit ungefähr zehn Roten Falken und ebenso vielen Jungfalken, wie die jüngeren Mitglieder genannt wurden, die erst nach einer Prüfung und dem Ablegen eines Gelöbnisses ebenfalls zu Roten Falken wurden. Geleitet wurden diese Gruppen von Hordenführern. Gemeinsam bildeten alle Horden eines Ortes eine Gruppe, welche Teil einer Kinderfreunde Ortsgruppe war. Alle Gruppen eines Gebietes bildeten einen Kreis, alle Kreise zusammen den Reichsbund der Roten Falken. Die zwölf Falkengebote wurden bereits mit dem Gründungsartikel in der Zeitschrift Kinderland veröffentlicht. Sie erfuhren bis heute immer wieder Änderungen und führten schließlich zum heute gültigen Grundsatzprogramm. Die Falkengebote forderten von den Falken das Bekennen zur Arbeiterklasse und zum Sozialismus. Die ersten Jahre nach der Gründung zeichneten sich durch ein rasches Ansteigen der Mitgliederzahlen aus. Schwerpunkte der Tätigkeit der Falken waren Solidaritätsaktionen, gemeinsame Wanderungen und Zeltlager.

Einen Höhepunkt in der Zeltlagerarbeit stellte die Kinderrepublik Keutschach dar, die unter dem Motto ,,Alles von Kindern für Kinder" stand. Die politischen Ereignisse der Zwischenkriegszeit prägten auch die Entwicklung der Roten Falken. Am 15. Juli 1927 kam es als Reaktion auf den "Schattendorf-Prozess" zu Demonstrationen und dem Brand des Justizpalastes in Wien, bei deren Niederschlagung zahlreiche Tote zu beklagen waren, darunter auch zwei Rote Falken, Adele Stanek und Karl Franze. Das politische Engagement der Falken verstärkte sich als Reaktion auf die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft, die Arbeiterzeitung sprach von den Roten Falken als den "Kadetten des Sozialismus". 

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Rote Falken Österreich
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